Nach dem Tod Ihres Vaters prägte Kristina Salamon maßgeblich die strategische und kulturelle Neuausrichtung eines der traditionsreichsten Sachwert-Emissionshäuser Deutschlands, während sie erfolgreich ein dynamisches Start-up, fernab der Finanzbranche, entwickelte.
Der Sprung ins kalte Wasser
Noch während ihres betriebswirtschaftlichen Studiums an der Universität Hamburg (Master of Science) verstarb ihr Vater Jürgen Salamon, Gründer und langjähriger Kopf der Dr. Peters Group, völlig unerwartet. In der Folge gründete die damals 25-jährige Studentin den Beirat der Unternehmensgruppe und übernahm die Vertretung der Eigentümerfamilie, während die Schifffahrtskrise, die Nachwirkungen der Finanzmarktkrise und ein tiefgreifender Wandel der Investmentbranche das Unternehmen vor große Herausforderungen stellten.Innerhalb kürzester Zeit arbeitete sich Kristina Salamon in die komplexen Märkte und Geschäftsmodelle der Gruppe ein, ordnete die Entwicklungen für die Eigentümerfamilie ein und übernahm unternehmerische Verantwortung.
Dieser frühe Sprung ins kalte Wasser hat ihren Blick auf Unternehmertum nachhaltig geprägt: “Verantwortung beginnt nicht erst dann, wenn alle Antworten feststehen, sondern dann, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen.”, resümiert Kristina Salamon im Interview mit Finance Impulse.
Seit Ende 2018 steht Kristina Salamon an der Spitze von Dr. Peters und verantwortet die Weiterentwicklung der Unternehmensgruppe.
Dabei erkannte sie schnell, dass zur Restrukturierung nicht nur neue Strategien, sondern ein radikaler Kulturwandel nötig war. Im Interview erfahren wir, warum Diversität für sie kein bloßer Selbstzweck, sondern ein Wettbewerbsvorteil ist, wie sie von ihren Erfahrungen als Gründerin (2014) sowie als Venture-Capital- und Private-Equity-Investorin profitiert und wie sie diese Erfahrungen auf die Transformation eines traditionsreichen Familienunternehmens übertragen konnte.
Jens Grützner von Finance Impulse im Gespräch mit Kristina Salamon
Jens Grützner: Frau Salamon, Sie haben die Dr. Peters-Gruppe in den letzten Jahren stark verändert. Was war der Auslöser für den Kulturwandel und Strukturwandel?
Kristina Salamon: Als ich die operative Verantwortung übernommen habe, war mir schnell klar, dass wir nicht nur Prozesse oder Strategien verändern müssen, sondern vor allem unsere Art der Zusammenarbeit. Wir haben Hierarchien deutlich reduziert, Entscheidungen näher an die operativen Einheiten verlagert und bewusst unternehmerisches Denken gefördert. Menschen sollen auf allen Ebenen Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen können. Genau daraus entstehen Dynamik, Identifikation und bessere Ergebnisse.
Diese Kulturveränderung spiegelt sich auch in unserer Führungsmannschaft wider. In den vergangenen Jahren haben wir sie sehr konsequent neu aufgestellt. Rund drei Viertel der Führungspositionen wurden neu besetzt – nicht, weil wir Alt gegen Jung austauschen wollten, sondern weil wir Führung neu verstanden haben. Heute ist bei uns nicht die Hierarchie entscheidend, sondern die Kompetenz. Gute Ideen können überall im Unternehmen entstehen. Deshalb ist es wichtig, dass diejenigen Gehör finden, die ein Thema fachlich am besten verstehen.
Die Entscheidung trifft am Ende derjenige, der die notwendige Kompetenz besitzt und bereit ist, dafür die Verantwortung zu übernehmen.
So entsteht eine Kultur, in der Wissen nicht an Hierarchien gebunden ist, sondern im gesamten Unternehmen genutzt wird. Das führt zu besseren Entscheidungen und gibt den Menschen das Gefühl, dass ihre Expertise wirklich zählt.
Jens Grützner: Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass diversifizierte Teams bessere Entscheidungen treffen und Risiken ausgewogener bewerten. Finden Sie diese Erkenntnisse auch in Ihrer eigenen Führungserfahrung wieder?
Kristina Salamon: Absolut. Ich reduziere Diversität dabei keinesfalls auf die viel diskutierte Frauenquote. Unterschiedliche Perspektiven führen dazu, dass Annahmen häufiger hinterfragt, Risiken breiter diskutiert und Entscheidungen sorgfältiger vorbereitet werden. Gerade in unserem Geschäft, in dem wir langfristige Investitionsentscheidungen treffen, ist das ein enormer Vorteil.
Homogene Teams bestätigen sich eher gegenseitig.
Heterogene Teams dagegen sorgen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen dafür, dass blinde Flecken seltener entstehen. Für mich ist Diversität deshalb kein Selbstzweck, sondern ein wesentlicher Beitrag zu besserem Management.
Jens Grützner: Heute sind bei Ihnen auch Führungspositionen mit Frauen besetzt. Haben Frauen aus Ihrer Sicht andere Stärken – aber vielleicht auch andere Herausforderungen auf dem Weg zur Führungsverantwortung?
Kristina Salamon: Ich glaube, viele Frauen gehen mit sich selbst kritischer um. Sie möchten häufig erst vollständig vorbereitet sein, bevor sie Verantwortung übernehmen oder ihre Meinung offensiv vertreten. Gleichzeitig beobachte ich oft, dass sie ihre Leistungen weniger stark in den Vordergrund stellen und sich in Diskussionen nicht automatisch den größten Raum nehmen. Gerade in traditionell männlich geprägten Branchen kann das eine echte Herausforderung sein. Genau darin liegt aus meiner Sicht aber häufig auch eine besondere Stärke.
Wer weniger mit dem eigenen Ego beschäftigt ist, hört oft genauer zu, stellt mehr Fragen und hinterfragt Entscheidungen gründlicher.
Das verbessert die Qualität von Managemententscheidungen erheblich. Deshalb sehe ich Führung auch in der Verantwortung, genau hinzuhören. Gute Führung bedeutet nicht nur, die lautesten Stimmen wahrzunehmen, sondern Potenziale zu erkennen, die sich vielleicht nicht sofort in den Vordergrund drängen.
Wir haben bei der Dr. Peters Group vielen Menschen Verantwortung übertragen, weil wir von ihren Fähigkeiten überzeugt sind – unabhängig davon, wie offensiv sie sich selbst präsentieren. Gerade dadurch konnten viele Talente ihr Potenzial entfalten.
Jens Grützner: Sie haben Unternehmen gegründet, Venture-Capital- und Private-Equity-Investments getätigt und führen heute ein traditionsreiches Familienunternehmen. Was hat Sie aus diesen unterschiedlichen Welten am meisten geprägt?
Kristina Salamon: Bevor ich CEO der Dr. Peters Group wurde, war ich Gründerin und Investorin. Ich hatte dadurch die Möglichkeit, viele unterschiedliche Unternehmen und Unternehmer kennenzulernen und aus nächster Nähe zu beobachten, wie erfolgreiche Transformation entsteht. Mich fasziniert bis heute die Denkweise disruptiver Unternehmen: Wie entwickelt sich ein Product-Market-Fit? Welche Entscheidungen führen wirklich zu Wachstum? Wie gehen erfolgreiche Gründer mit Rückschlägen um? Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein Geschäftsmodell anzupassen?
Als Investorin bekommt man Einblicke in sehr unterschiedliche Branchen und erkennt mit der Zeit Muster, die weit über das einzelne Unternehmen hinausgehen.
Diese Erfahrungen inspirieren mich bis heute.
Ich lerne ständig dazu – durch den Austausch mit Unternehmern, durch neue Märkte und durch die Frage, welche Stellschrauben tatsächlich Wachstum und Veränderung ermöglichen. Viele dieser Erkenntnisse konnte ich direkt in die Transformation der Dr. Peters Group übertragen. Nicht, indem wir Start-up-Methoden kopiert haben, sondern indem wir den Mut hatten, eingefahrene Denkweisen zu hinterfragen.
Gleichzeitig habe ich gelernt, dass die Transformation eines etablierten Familienunternehmens etwas völlig anderes ist als der Aufbau eines Start-ups. Ein Unternehmen mit einer 50-jährigen Geschichte verändert man nicht auf der grünen Wiese.
Man trägt Verantwortung für Mitarbeiter, Kunden und eine gewachsene Unternehmenskultur.
Dazu kommt die emotionale Verbundenheit mit dem eigenen Unternehmen. Das ist manchmal Fluch und Segen zugleich. Sie kann den Blick auf notwendige Veränderungen erschweren, schafft aber gleichzeitig ein außergewöhnlich hohes Maß an Verantwortung und langfristigem Commitment. Beides gehört für mich untrennbar zusammen.
Jens Grützner: Viele sprechen über Unternehmenskultur als weichen Faktor. Bei Ihnen entsteht der Eindruck von wirtschaftlicher Bedeutung. Ist das richtig?
Kristina Salamon: Absolut – die Kultur entscheidet letztlich, wie ein Unternehmen handelt. Sie bestimmt, ob Probleme früh angesprochen werden, ob Verantwortung übernommen wird und wie schnell Organisationen auf Veränderungen reagieren können. Gerade in den vergangenen Jahren mit Pandemie, Inflation, Zinswende und geopolitischen Krisen haben wir erlebt, wie wichtig eine funktionierende Unternehmenskultur ist.
Prozesse lassen sich relativ schnell verändern.
Kultur dagegen entsteht jeden Tag durch das Verhalten der Menschen.
Deshalb halte ich sie für einen der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren überhaupt.
Jens Grützner: Wenn Sie heute einer jungen Frau einen Rat für eine Führungsposition in der Finanzbranche geben könnten – welcher wäre das?
Kristina Salamon: Frauen sollten ihrer eigenen Kompetenz und ihren Ideen viel häufiger vertrauen und den Mut haben, ihre Sichtweisen aktiv einzubringen – auch dann, wenn sie sich selbst noch nicht vollständig vorbereitet fühlen oder ihre Meinung von der Mehrheitsmeinung abweicht.
Führung bedeutet nicht, erst zu handeln, wenn alle Antworten feststehen.
Im Gegenteil: Führung heißt, unter Unsicherheit Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Jens Grützner: Frau Salamon, vielen Dank für das Gespräch.
Interessierte Anlegerinnen und Anleger, die sachwertbasierte Anlagen der Dr. Peters Group für ihr Portfolio prüfen möchten, finden hier aktuelle Informationen.
Wir freuen uns schon sehr darauf, Ihnen in den kommenden Wochen und Monaten weitere spannende Interviews und tiefgreifende Hintergrundinformationen zu bemerkenswerten Kompetenz-Trägerinnen aus dem Finanz- und Unternehmerbereich vorzustellen – bleiben Sie gespannt!
Ihr Jens Grützner
und die FIN-Redaktion
FAQs
Wer ist Kristina Salamon?
Kristina Salamon ist geschäftsführende Gesellschafterin der Dr. Peters Group, eines der traditionsreichsten Sachwert-Emissionshäuser Deutschlands. Nach dem unerwarteten Tod ihres Vaters Jürgen Salamon übernahm sie früh unternehmerische Verantwortung und führt die Unternehmensgruppe seit Ende 2018. Zuvor war sie als Gründerin sowie als Venture-Capital- und Private-Equity-Investorin tätig.
Wie hat Kristina Salamon die Dr. Peters Group verändert?
Im Zentrum ihrer Neuausrichtung stand ein Kulturwandel: flachere Hierarchien, Entscheidungen näher an den operativen Einheiten und eine Führung, die sich an Kompetenz statt an Hierarchie orientiert. Rund drei Viertel der Führungspositionen wurden dabei neu besetzt – mit dem Ziel, Wissen im gesamten Unternehmen nutzbar zu machen.
Warum ist Diversität für Kristina Salamon ein Wettbewerbsvorteil?
Nach ihrer Erfahrung hinterfragen heterogene Teams Annahmen häufiger, diskutieren Risiken breiter und bereiten Entscheidungen sorgfältiger vor. Gerade bei langfristigen Investitionsentscheidungen entstehen so seltener blinde Flecken. Diversität ist für sie deshalb kein Selbstzweck, sondern ein wesentlicher Beitrag zu besserem Management.
Welchen Rat gibt Kristina Salamon Frauen für ihre Karriere?
Frauen sollten ihrer eigenen Kompetenz und ihren Ideen viel häufiger vertrauen und den Mut haben, ihre Sichtweisen aktiv einzubringen – auch dann, wenn sie sich selbst noch nicht vollständig vorbereitet fühlen oder ihre Meinung von der Mehrheitsmeinung abweicht. Führung bedeutet nicht, erst zu handeln, wenn alle Antworten feststehen. Im Gegenteil: Führung heißt, unter Unsicherheit Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Was hat Kristina Salamon als Gründerin und Investorin geprägt?
Aus ihrer Zeit als Gründerin und VC-/Private-Equity-Investorin nimmt sie vor allem die Denkweise disruptiver Unternehmen mit: den Mut, eingefahrene Annahmen zu hinterfragen, und den Blick für Muster, die über das einzelne Unternehmen hinausgehen. Diese Erkenntnisse übertrug sie auf die Transformation der Dr. Peters Group – ohne Start-up-Methoden einfach zu kopieren.
